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Punkt, Punkt,  Komma, Strich fertig ist das Mondgesicht

Erinnerungen 4 Min. Lesezeit

Punkt, Punkt, Komma, Strich fertig ist das Mondgesicht

Manche Erinnerungen beginnen mit Wärme. Und dann kippt etwas. Heute schreibe ich mich zurück zu dem kleinen Mädchen, das noch keine Worte hatte – nur Punkt, Punkt, Komma, Strich.

Ich habe heute wieder an meinem Buch geschrieben.

Ich bin dieses kleine Mädchen, das keine Ahnung hat, was da gerade mit ihm passiert. Und ich bin die erwachsene Frau, die heute davor sitzt, die Szene schreibt, sie fühlt und manchmal einfach nur weint.

Aus dem Beitrag

Und eigentlich waren da heute ganz viele schöne Erinnerungen.


Die Wärme bei Oma Emily

Ich war bei Oma Emily. Ich konnte diese Wärme wiederfühlen, dieses gute Gefühl. Ich hatte Bilder vor Augen, die friedlich waren. Und während ich geschrieben habe, war ich wieder ein Stück weit dort.

So schreibe ich mein Buch.

Ich schreibe nicht einfach auf, was passiert ist. Ich schreibe das auf, was ich erinnere und was ich fühle. Manchmal sind es ganze Szenen, manchmal nur kleine Fetzen. Ein Geruch. Eine Berührung. Ein Bild. Eine Stimmung.


Die Wendung in der Stimmung

Und irgendwann kippte diese Stimmung heute.

Ich merke das beim Schreiben sofort, weil ich nicht von außen auf meine Geschichte schaue. Ich bin dann wieder mittendrin.

Da ist dieses kleine Mädchen.

Es weiß nicht, warum plötzlich alles anders ist.

Ich weiß heute nicht einmal, was dieses kleine Mädchen in diesem Moment gefühlt hat. Vielleicht hat es gar nichts gefühlt.

Ich weiß nur, dass es angefangen hat zu malen.


Das Mondgesicht entsteht

Erst ganz vorsichtig.

Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht.

Auf die Türen.

Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht.

Und dann wurden die Kreise größer.

Die Bewegungen wurden größer.

Immer wieder dieses Mondgesicht.

Immer wieder derselbe Satz.

Bis das Ganze irgendwann fast wie ein Selbstläufer war.


Die Bedeutung hinter der Erinnerung

Heute weiß ich natürlich, was ich dort sehe.

Heute sehe ich diese Energie. Ich sehe etwas Ritualisiertes darin. Und ich weiß heute auch, in welchem Zusammenhang diese Erinnerung steht.

Aber das kleine Mädchen wusste das alles nicht.

Es hat gemalt.

Mehr nicht.


Schreiben als doppelte Erfahrung

Und genau an solchen Stellen merke ich, was dieses Buch mit mir macht.

Denn während ich schreibe, bin ich beides.

Ich bin dieses kleine Mädchen, das keine Ahnung hat, was da gerade mit ihm passiert.

Und ich bin die erwachsene Frau, die heute davor sitzt, die Szene schreibt, sie fühlt und manchmal einfach nur weint.

Manchmal habe ich einen Kloß im Hals.

Manchmal tut es einfach weh.


Der Funke des Erlebten

Und manchmal schaue ich auf das, was ich gerade geschrieben habe, und da ist tatsächlich noch dieser kleine Funke:

War das wirklich mein Leben?

Ja.

Das war es.

Und vielleicht schreibe ich deshalb gerade so, wie ich schreibe.

Ich will meine Geschichte einmal ganz anfassen.

Jede Szene, die kommt. Jedes Bild. Jedes Gefühl. Auch die Stellen, an denen ich gar nicht mehr weiß, was ich gefühlt habe.


Das Buch als Raum und Heilung

Ich glaube nicht, dass ich das später noch einmal so machen werde.

Dieses Buch ist für mich der Ort, an dem ich noch einmal hineingehe.

Es fühlt sich befreiend an.

Mit jedem Wort, das ich schreibe, gebe ich meiner Geschichte ein Stück mehr Platz in meinem Leben. Und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich sie dadurch immer ein kleines Stück mehr loslassen kann.

Ich nehme sie zu mir und lasse sie gleichzeitig los.

Vielleicht ist genau das für mich gerade Heilung.


Worte als Loslassen und Annehmen

Ich schreibe sie noch einmal raus.

Alles, was kommt.

Ich lasse es da sein.

Und ich hoffe schon, dass irgendwann ein bisschen Ruhe darin entsteht.

Vielleicht finde ich diese Ruhe nie ganz. Das weiß ich nicht.

Aber ich weiß, dass meine Geschichte danach da sein wird.

Aufgeschrieben.

Nicht mehr irgendwo zwischen einzelnen Bildern, Gefühlen und Erinnerungsfetzen.

Sie gehört zu mir.

Und vielleicht muss sie mich dann auch nicht mehr so laut daran erinnern, dass es sie gibt.


Zurück beim kleinen Mädchen

Heute war da wieder dieses kleine Mädchen.

Erst ganz vorsichtig.

Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht.

Und irgendwann wurden die Kreise immer größer.

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