ein einfach guter Samstagmorgen
Ich liege mit meinem Kaffee unter einer Decke auf der Couch und eigentlich passiert gerade gar nichts. Und vielleicht ist es genau das, was diesen Moment so besonders macht. Ich merke, wie gerne ich heute in meinem Leben bin.
Ein Samstag auf der Couch
Ich liege auf meiner Couch. Eine Decke über mir, meinen Becher Kaffee neben mir. Erdbeeren mit Skyr, Vanille und Haferflocken – mein Frühstück heute Morgen.
Mein Hund war schon kurz draußen im Garten. Und eigentlich müsste ich vielleicht irgendwann meine Wohnung aufräumen, einkaufen, rausgehen, irgendetwas mit diesem Samstag anfangen. Aber gerade muss ich gar nichts. Ich liege einfach hier. Und es fühlt sich gut an.
Schreiben als Begegnung mit der eigenen Geschichte
Heute Morgen habe ich geschrieben. An meinem Blog. An meiner Geschichte. An Erinnerungen, die weit zurückliegen. Da war wieder dieses kleine Mädchen.
Ich habe über meinen großen Bruder geschrieben. Über springende blonde Locken, einen kleinen braunen Stoffhasen und zwei Geschwister, die miteinander spielten. Über ein Wohnzimmer, das sich nach Zuhause anfühlte.
Während ich schreibe, entstehen immer wieder neue Bilder. Manche sind schön. Andere tun weh. Manche enden einfach irgendwo, und ich weiß nicht mehr, wie es danach weiterging.
Früher hätte ich vielleicht versucht, eine Antwort darauf zu finden. Die Bilder irgendwie einzuordnen. Zu verstehen.
Heute merke ich, dass ich das nicht immer muss. Manchmal darf eine Erinnerung einfach da sein.
Dem kleinen Mädchen Raum geben
Ich habe einen langen Weg hinter mir. Viele Jahre Therapie, viele Gespräche, viele Begegnungen mit meiner eigenen Geschichte. Ich habe sehr viel verstanden und aufgearbeitet.
Und trotzdem fühlt sich das Schreiben noch einmal anders an.
Ich gebe diesem kleinen Mädchen jetzt etwas, das es so lange nicht hatte: Raum. Sie darf ihre Geschichte erzählen. Nicht nur die schlimmen Dinge. Sie darf auch lachen. Sie darf ihren Bruder lieben. Sie darf Weihnachten aufregend finden. Sie darf sich geborgen fühlen. Sie darf spielen und einfach Kind sein.
Ich muss heute keinen schönen Moment schlechtmachen, damit das Schlimme meiner Geschichte wahr sein darf. Beides war da.
Fürsorge für das eigene Innere
Während ich hier auf meiner Couch liege, meinen Kaffee trinke und über all das nachdenke, wird mir bewusst, wie weit mein Weg mich gebracht hat.
Nicht zu einem perfekten Leben. Ich bin nicht immer glücklich. Ich kenne Trauer. Ich kenne schwierige Tage und auch diese Momente, in denen ich denke: Ich kann gerade nicht mehr.
Aber etwas hat sich verändert.
Ich muss ein unangenehmes Gefühl nicht mehr sofort beenden. Ich muss nicht immer ins Handeln kommen. Ich darf erst einmal spüren.
Wie fühlt es sich an? Was macht es mit mir? Was brauche ich gerade? Und was kann ich mir Gutes tun, damit es für mich leichter wird?
Vielleicht ist genau das etwas, wofür ich heute sehr dankbar bin.
Zufriedenheit und Liebe
Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Nicht, weil ich alles erreicht hätte. Nicht, weil alles gut wäre. Nicht, weil meine Vergangenheit verschwunden ist. Sondern weil ich mich heute in meinem eigenen Leben zuhause fühle.
Und gerade mache ich sogar in der Liebe eine Erfahrung, die für mich noch ziemlich neu ist.
Ich bin verliebt. Und trotzdem kann ich hier allein auf meiner Couch liegen und diesen Morgen genießen.
Ich kann jemanden vermissen, ohne dass dieses Vermissen sofort beendet werden muss. Ich kann mir wünschen, dass er jetzt hier wäre, und gleichzeitig froh darüber sein, diesen Moment ganz für mich zu haben.
Ich muss eine Beziehung nicht ständig sichern. Ich darf ihr Raum geben. Und mir auch.
Ich brauche diese Momente, in denen niemand etwas von mir möchte. In denen ich meinen Gedanken nachhängen kann. In denen ich schreibe, fühle, sortiere oder einfach nur meinen Kaffee trinke.
Heute ist so ein Moment.
Und vielleicht ist das für mich inzwischen auch Heilung. Nicht das große Ankommen. Nicht ein Leben ohne Angst, Trauer oder schwierige Tage. Sondern das Wissen, dass all diese Gefühle da sein dürfen, ohne dass ich mich dabei verliere.
Leben im Einklang mit der Vergangenheit
Ich kann meiner Vergangenheit begegnen und danach meinen Kaffee trinken. Ich kann traurig sein und trotzdem zufrieden. Ich kann lieben und trotzdem bei mir bleiben. Ich kann allein sein und mich verbunden fühlen.
Und während ich das hier schreibe, merke ich etwas ganz Einfaches: Ich mag mein Leben. Und ich finde eigentlich gut, wie ich bin.
Heute jedenfalls brauche ich nicht mehr.
Ich liege hier unter meiner Decke. Mein Kaffee steht neben mir. Und dieser Samstag hat gerade erst angefangen.
Der Samstag geht weiter: Spaziergang und Gedanken
Später gehe ich mit meinem Hund spazieren.
Zwischen den Regenschauern ist die Sonne herausgekommen. Ich genieße die Luft, meinen Hund, die Sonne und diesen Moment draußen. Der nächste Regenschauer ist schon zu sehen, aber gerade ist es trocken.
Während ich laufe, gehen mir wieder viele Gedanken durch den Kopf.
Ich denke darüber nach, wie schön es sich gerade anfühlt, allein zu sein.
Einsamkeit ist für mich heute oft eine gewählte Einsamkeit. Ein Weg, bei mir zu bleiben. Der Kontakt zu mir selbst ist mir sehr wichtig geworden.
Und natürlich hinterfrage ich das auch wieder.
Ist das richtig? Kapsle ich mich dadurch zu sehr ab? Bin ich zu sehr in mich gekehrt?
Vielleicht bin ich das. In mich gekehrt. Eigentlich trifft es das ziemlich gut. Aber gerade fühlt es sich nicht falsch an.
Zuhause finden und eigene Stimme hören
Auf dem Rückweg merke ich, wie sehr ich den Ort liebe, an dem ich heute lebe. Wie sehr ich mir hier ein Zuhause geschaffen habe.
Und dieses Zuhause ist nicht nur ein Ort. Es hat auch etwas damit zu tun, wer ich heute bin.
Es ist schön, nach Hause zu kommen und mich einfach mit dem beschäftigen zu dürfen, wonach mir gerade ist.
Heute ist das Schreiben. Es sind meine Gedanken. Es ist dieses Projekt. Mein Herzensprojekt.
Und ich merke, dass ich stolz auf mich bin und auf das, was ich gerade leiste.
Aber da sind auch Zweifel.
Mache ich das alles richtig? Habe ich eine Stimme für dieses kleine Mädchen gefunden? Ist sie verständlich? Erreicht sie jemanden?
Die eigene Art zu schreiben wertschätzen
Und während ich darüber nachdenke, merke ich gleichzeitig:
Sie hat genau diese Stimme verdient. Sie darf nicht umgeformt werden, nur damit sie besser in irgendeine Vorstellung davon passt, wie man ein Buch schreibt.
Mein Schreibstil ist mein Schreibstil. Ich bin keine geborene Autorin. Aber ich habe meine Geschichte in mir. Und irgendwie habe ich damit auch etwas zu sagen.
Kommentare
Diskussion zum Beitrag
0 freigegebene Kommentare
Anmelden, um zu kommentieren
Für Kommentare ist ein Benutzerkonto nötig. Nach dem Login kannst du direkt unter dem Beitrag schreiben.