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Ein Abschied, den ich betrauern darf

Mein Weg zu mir 4 Min. Lesezeit

Ein Abschied, den ich betrauern darf

Meine Familie gehört zu meiner Geschichte. Aber mein heutiges Leben gehört mir. Vielleicht ist Abschied manchmal genau das: traurig sein dürfen über das, was nicht geworden ist und gleichzeitig erkennen, was man sich selbst geschaffen hat.

Heute Morgen hallt noch etwas nach.

Manche Abschiede tun weh. Und trotzdem merkt man plötzlich, dass man längst angekommen ist – bei sich selbst.

Nicht mehr diese Wut von gestern. Es ist ruhiger geworden. Aber es tut noch weh.

Und vielleicht ist das gerade einfach ein Abschied.

Ein Abschied von etwas, von dem ich vielleicht sehr lange geglaubt habe, dass es irgendwann doch noch möglich sein könnte. Dass Menschen aus meiner Familie irgendwann hinschauen. Dass wir vielleicht irgendwann gemeinsam auf unsere Geschichte schauen können.


Ein zerrissenes Band

Vielleicht war da immer noch ein kleines Band.

Und vielleicht ist dieses Band jetzt gerissen.

Das macht mich traurig.

Und ich glaube, ich darf darum trauern.


Familie bleibt Familie

Meine Familie bleibt meine Familie. Sie gehört zu meiner Geschichte und wird immer ein Teil davon sein.

Aber sie gehört nicht mehr zu meinem Leben im Hier und Jetzt.

Das fühlt sich im ersten Moment hart an, während ich es schreibe. Aber eigentlich fühlt es sich gar nicht hart an.

Es fühlt sich friedlich an.

Ich möchte niemanden mehr überzeugen. Ich möchte niemanden verändern. Ich möchte nicht mehr erklären, warum ich etwas so erlebt habe, wie ich es erlebt habe.

Jeder darf seine eigene Geschichte haben.

Auch wenn sie meiner widerspricht.

Auch wenn es manchmal weh tut.

Das muss ich vielleicht noch lernen auszuhalten.

Aber ich muss nicht mehr darum kämpfen, gesehen zu werden.


Mein Leben hat eine andere Wendung genommen

Wenn ich heute auf mein Leben schaue, dann sehe ich auch, welche andere Wendung es irgendwann genommen hat.

Ich bin nicht mehr im Selbstzerstörermodus.

Ich muss mich nicht betäuben, um mein Leben auszuhalten. Ich habe nicht mehr das Gefühl, aus dieser Welt verschwinden zu müssen, weil ich das alles nicht ertrage.

Ich habe mir ein Leben geschaffen, in das ich gerne nach Hause komme.

Und manchmal sind es ganz banale Dinge.

  • Mein Sofa.
  • Mein Hund.
  • Eine Tasse Kaffee.
  • Schreiben.
  • Malen.
  • Ein Spaziergang.
  • Ein Abend, an dem ich einfach nur unter meiner Decke liege und überhaupt nichts Besonderes passiert.

Was Stabilität heute für mich bedeutet

Früher hätte ich vielleicht gedacht, Stabilität müsste von außen kommen.

Ein Mensch müsste kommen und mir Sicherheit geben.

Jemand müsste mich halten.

Jemand müsste bleiben.

Vielleicht müsste endlich jemand sagen: Ich sehe dich.

Heute merke ich, dass ich mir vieles davon selbst geschaffen habe.


Etwas, das mir niemand nehmen kann

Vielleicht ist genau das der Unterschied.

Das Leben, das ich heute habe, ist nicht unerschütterlich, weil darin nie wieder etwas passieren kann.

Natürlich kann etwas passieren.

Menschen können gehen.

Beziehungen können sich verändern.

Alte Geschichten können plötzlich wieder anklopfen und mich verletzen.

Aber das Fundament darunter gehört mir.

Ich habe es selbst gebaut.

Und deshalb fühlt es sich so stabil an.

Ich kann nach Hause kommen und wissen: Hier bin ich.

Ich kann traurig sein und trotzdem wissen, dass diese Traurigkeit wieder gehen wird.

Ich kann wütend sein, ohne aus meiner Wut heraus handeln zu müssen.

Ich kann verletzt werden, ohne daran kaputtzugehen.

Und ich kann einen Menschen loslassen, ohne mich dabei selbst zu verlieren.


Vielleicht ist Abschied manchmal auch Heilung

Das hätte ich früher wahrscheinlich nicht verstanden.

Abschied bedeutete für mich lange Verlust.

Heute fühlt es sich anders an.

Natürlich tut es weh.

Ich trauere um etwas.

Vielleicht sogar um etwas, das es so, wie ich es mir gewünscht hätte, niemals gegeben hat.

Und trotzdem muss ich diese Lücke nicht mehr verzweifelt füllen.

Ich darf sie einfach betrauern.


Mein heutiges Leben gehört mir

Meine Familie gehört zu meiner Geschichte.

Aber mein heutiges Leben gehört mir.

Und vielleicht ist genau das die Erkenntnis, die nach all dem Nachhallen übrig bleibt:

Ich habe mir etwas geschaffen, auf das ich mich freue.

Ein Leben, in dem ich gerne bin.

Nicht jeden Tag glücklich.

Nicht ohne Traurigkeit.

Nicht ohne alte Wunden.

Aber ein Leben, das ich nicht mehr verlassen möchte, sondern leben.

Und wenn ich heute Abend nach Hause komme und vielleicht einfach nur mit meinem Hund auf meinem Sofa liege, dann ist das nichts Banales.

Das ist mein Leben und ich habe es mir selbst geschaffen.

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