Nicht jede Verletzung gehört meiner Vergangenheit
Nicht jede Verletzung gehört meiner Vergangenheit. Manchmal darf auch die Frau, die ich heute bin, traurig, enttäuscht oder wütend sein. An einem ganz gewöhnlichen Freitag habe ich etwas Entscheidendes erkannt: Ich darf lieben, Grenzen setzen und meinen Gefühlen vertrauen, ohne mich selbst dabei zu verlieren. Ein Moment zwischen Angst, Erkenntnis und innerer Freiheit.
Heute ist ein ganz gewöhnlicher Freitag. Ich bin noch im Urlaub und genieße diesen Tag. Meine Nähmaschinen sind fast alle aufgebaut, nur eine fehlt noch. Im Moment habe ich mich gegen das Malen und wieder für das Nähen entschieden.
Kreativität ohne Grenzen: Das Schöne an der Kreativität ist, dass nichts so bleiben muss, wie es ursprünglich gedacht war. Ich darf ausprobieren, verwerfen, neu beginnen. Ich darf meine Meinung ändern. Und vor allem darf ich das ohne Angst.
In meiner Kreativität gibt es keine Grenzen.
Ich liebe es, Dinge zu verändern, etwas herzustellen, Ideen aus meinem Kopf Wirklichkeit werden zu lassen. Manchmal schaue ich auf das Ergebnis und denke: Wow, das ist wirklich toll geworden. Und manchmal merke ich, dass ich noch etwas verändern möchte.
Kreativität ohne Grenzen
Das Schöne an der Kreativität ist, dass nichts so bleiben muss, wie es ursprünglich gedacht war. Ich darf ausprobieren, verwerfen, neu beginnen. Ich darf meine Meinung ändern.
Und vor allem darf ich das ohne Angst.
Angst im echten Leben
Im wirklichen Leben ist das manchmal anders.
Da sind es oft die kleinen Dinge, die etwas in mir auslösen. Ein Satz, eine Situation, eine Enttäuschung. Plötzlich entsteht ein Gefühl, das immer größer wird: Angst.
Und manchmal weiß ich überhaupt nicht mehr, wie ich damit umgehen soll.
Heute habe ich mich sehr intensiv mit meiner Angst beschäftigt. Mit Verlustangst, mit Beziehungsangst, mit dem Wunsch nach Nähe und gleichzeitig dem Bedürfnis, mich zurückzuziehen, sobald ich mich verletzlich fühle.
Ich habe versucht zu verstehen, warum ich manchmal so heftig reagiere. Warum meine Gedanken immer schneller werden. Warum sich meine Brust zusammenzieht, bis ich einen unangenehmen Druck spüre. Warum meine Befürchtungen irgendwann so real erscheinen, dass ich kaum noch unterscheiden kann, was tatsächlich passiert und was meine Angst daraus gemacht hat.
Ich kenne diese Zustände. Diese körperlichen Erinnerungen, diese ängstlichen Flashbacks.
Der Umgang mit Angst
Lange habe ich versucht, meine Angst im Außen zu regulieren. Durch Bestätigung. Durch Erklärungen. Durch das Verhalten anderer Menschen.
Aber diese Sicherheit hielt nie besonders lange. Und heute ist etwas passiert. Etwas, das ich gar nicht erwartet hatte.
Ich habe aufgehört, ausschließlich nach einer Erklärung in meiner Vergangenheit zu suchen.
Ja, meine Geschichte hat Spuren hinterlassen. Tiefe Spuren. Manche Ängste gehören zu dem kleinen Mädchen, das ich einmal war. Zu einem Kind, das sich verlassen, ausgeschlossen und schutzlos gefühlt hat.
Und heute bin ich diesem kleinen Mädchen wieder begegnet. Ich war traurig. Aber ich konnte es in den Arm nehmen. Ich konnte verstehen, warum es Angst hat.
Die bedeutende Erkenntnis
Dann kam eine Erkenntnis, die für mich heute vielleicht noch viel bedeutender war:
Nicht jede Verletzung gehört meiner Vergangenheit.
Manchmal wird auch die Frau verletzt, die ich heute bin. Und diese Frau darf traurig sein. Sie darf enttäuscht sein. Sie darf weinen. Sie darf wütend sein.
Ohne ihre Gefühle sofort erklären zu müssen. Ohne sich zu fragen, ob sie überreagiert. Ohne immer zuerst bei sich selbst nach einem Fehler zu suchen.
Ich habe so oft versucht, meine Gefühle zu verstehen, einzuordnen und zu reflektieren. Aber heute habe ich begriffen, dass Selbstreflexion nicht bedeutet, mit allem umgehen zu können.
Eine selbstreflektierte Frau ist keine Frau, die nichts mehr verletzt. Sie ist auch keine Frau, die immer ruhig bleibt, immer verständnisvoll reagiert und jede Situation sofort richtig einordnet.
Sie ist ein Mensch. Mit Gefühlen, die kommen und gehen. Mit Ängsten, die manchmal größer werden, als sie es möchte. Und mit dem Recht, diese Gefühle zu haben.
Das Recht, Gefühle zu haben
Ich muss meine Angst nicht bekämpfen, um selbstbestimmt leben zu können. Ich darf sie wahrnehmen. Ich darf versuchen, sie zu verstehen. Ich darf ihr zuhören.
Aber ich muss ihr nicht jede Entscheidung überlassen.
Und ich darf Grenzen setzen.
Ich darf entscheiden, welche Menschen mir guttun. Welche Situationen ich erleben möchte. Welche Beziehungen ich führen will.
Ich darf Nein sagen. Auch dann, wenn mein Nein dazu führt, dass ein anderer Mensch eine Entscheidung trifft, die mir wehtut.
Grenzen setzen ohne Angst
Vielleicht war genau das eine meiner größten Ängste: Dass ich durch meine eigenen Grenzen jemanden verlieren könnte.
Aber heute habe ich verstanden, dass ich mich selbst nicht verlieren muss, um einen anderen Menschen zu behalten.
Ich habe eine eigene Meinung. Ich habe eigene Vorstellungen von meinem Leben. Ich habe Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen. Und ich darf ihnen vertrauen.
Ich darf selbst wählen.
Liebe und Freiheit
Ich darf verliebt sein. Ich darf lieben, ohne zu wissen, wohin diese Liebe mich führen wird. Ohne die Gewissheit, dass sie für immer bleibt. Ich darf mich öffnen, mich fallenlassen und einem anderen Menschen mein Herz zeigen. Ohne mich dafür zu schämen, wie viel ich empfinde.
Ich darf Erwartungen an eine Beziehung haben, aber ich muss nicht jede Erwartung an die Zukunft zu einer Bedingung für mein Glück machen.
Ich darf Nähe genießen, ohne ständig nach Anzeichen zu suchen, dass ich sie wieder verlieren könnte. Und ich darf darauf vertrauen, dass ich mich selbst nicht verliere, nur weil ich einen anderen Menschen liebe. Ich darf lieben, ohne mich aufzugeben.
Vielleicht ist genau das meine Freiheit.
Nicht weniger zu fühlen.
Sondern mich nicht länger aus Angst vor dem möglichen Schmerz daran zu hindern, das Schöne zu erleben.
Der Moment der Veränderung
Plötzlich gab es diesen einen Moment. Ich kann ihn kaum beschreiben. Der Druck in meiner Brust ließ nach. Da, wo vorher Enge war, entstand wieder Raum.
Ich konnte durchatmen. Nicht, weil sich im Außen etwas verändert hatte, sondern weil sich etwas in mir verändert hatte.
Ich habe gespürt, dass ich mich selbst schützen darf. Dass ich nicht darauf warten muss, ob jemand anderes mich wählt. Dass ich selbst entscheiden darf, was mir guttut und was nicht.
Und vielleicht war das heute der größte Gewinn.
Ein neuer Anfang
Ich weiß, dass ich mit dieser Erkenntnis nicht plötzlich geheilt bin. Meine Angst wird wiederkommen. Vielleicht morgen, vielleicht schon heute Abend.
Aber heute habe ich etwas gefühlt, das ich nicht nur mit meinem Verstand begreifen wollte. Ich habe meine eigene Freiheit gespürt.
Und vielleicht beginnt Heilung manchmal genau dort. Nicht mit einer großen Entscheidung. Nicht mit einer perfekten Antwort. Sondern mit einem Augenblick, in dem wir uns selbst wiederfinden.
Rückkehr zu mir selbst
Eigentlich wollte ich heute nur ein Schnittmuster entwerfen. Etwas Schönes erschaffen. Einen Stoff zuschneiden und aus einer Idee etwas Neues entstehen lassen.
Stattdessen ist etwas entstanden, das für mich gerade viel wertvoller ist. Ich habe ein Stück zu mir selbst zurückgefunden.
Nun darf dieser ganz gewöhnliche Freitag langsam zu Ende gehen.
Draußen ist ein wunderschöner Herbsttag. Die Bäume verändern ihre Farben. Ihre Blätter leuchten in den unterschiedlichsten Tönen.
Auch die Natur verändert sich, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.
Und vielleicht darf ich das auch.
Heute ist ein guter Tag.
Ein Tag, an dem ich mich wieder ein bisschen freier fühle.
Und ich genieße ihn.
Meine Freiheit.
Mein Leben.
Und das Gefühl, wieder bei mir angekommen zu sein.
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