Wenn Erinnerungen Worte finden
Eigentlich war es ein ganz normaler Dienstagabend. Ich hatte Feierabend, Hunger und noch gar nicht entschieden, ob ich überhaupt schreiben wollte. Dann kamen die ersten Worte. Aus Erinnerungsfetzen wurden Bilder, aus Bildern wurden Gefühle – und plötzlich war ich mittendrin. Heute habe ich verstanden, wie viel Kraft es kosten kann, der eigenen Geschichte freiwillig zu begegnen.
Wenn Erinnerungen plötzlich Worte bekommen
Manche Erinnerungen warten nicht darauf, erinnert zu werden. Sie warten darauf, dass wir den Mut haben, hinzusehen.
Es ist Dienstag. Ich habe Feierabend. Heute bin ich ein bisschen länger im Büro geblieben. Ich wollte noch etwas schaffen und war deshalb nicht wie sonst gegen 16:30 Uhr, sondern erst um 17:15 Uhr zu Hause.
Eigentlich hatte ich Hunger.
Aber anstatt mir etwas zu essen zu machen, saß ich erst einmal da und spielte am Handy. Vielleicht war das schon meine Art, noch ein bisschen Zeit zu gewinnen. Ich hatte mich noch gar nicht wirklich entschieden zu schreiben.
Aber da war etwas. Etwas wollte raus.
Der Beginn des Erinnerns
Also habe ich irgendwann mein MacBook genommen und mich hingesetzt. Erst kam nur ein kleines bisschen. Vorsichtig. Ein paar Worte, ein paar Bilder. Und vielleicht wusste ich da schon, welche Tragweite diese Erinnerung haben könnte.
Dann kam sie. Mit voller Wucht.
Ich glaube, ich bin heute zum ersten Mal freiwillig so tief in eine meiner Erinnerungen gegangen. Nicht, weil sie mich einfach überfallen hat. Nicht, weil ich keine andere Wahl hatte. Sondern, weil ich mich hingesetzt und entschieden habe, hinzusehen.
Ganz bewusst. Und verdammt, das war mutig.
Worte fließen lassen
Plötzlich kamen die Worte wie von selbst. Unkontrolliert und roh landeten sie auf meinem MacBook. Ich habe nicht darüber nachgedacht, ob ein Satz schön klingt. Ich habe nicht über Grammatik nachgedacht. Ich habe nicht versucht, eine Geschichte daraus zu machen. Ich habe einfach geschrieben.
Und während ich schrieb, wurden die Bilder deutlicher. Aus einzelnen Erinnerungsfetzen wurde mehr. Bilder und Gefühle fingen an, sich miteinander zu verbinden. Dinge, von denen ich wusste, dass sie passiert waren, bekamen plötzlich wieder eine Atmosphäre, einen Geschmack, einen Schmerz.
Und irgendwann liefen einfach die Tränen. Es hat mich massiv eingeholt und emotional völlig überschwemmt.
Ein neuer Weg beginnt?
Vielleicht beginnt hier gerade etwas Neues in meinem Schreiben. Vielleicht komme ich jetzt an einen Punkt, an dem manche Erinnerungen klarer werden. An dem Bilder deutlicher werden und sich die Gefühle, die schon so lange irgendwo in mir existieren, wieder mit ihnen verbinden.
Ich weiß es noch nicht. Und ich muss es heute auch nicht wissen.
Denn jetzt bin ich einfach nur platt.
Knapp 700 Wörter sind heute entstanden. Das klingt eigentlich nach gar nicht so viel. Aber diese 700 Wörter haben Kraft gekostet. Emotionen brauchen Energie. Erinnern braucht Energie. Und vielleicht braucht auch Mut Energie.
Für heute reicht es.
Zeit für Selfcare
Jetzt brauche ich keine weitere Erinnerung. Keine Analyse. Und auch keinen weiteren Satz für mein Buch. Jetzt brauche ich ein Sofa, eine Decke, meinen kleinen Hund neben mir und einen Becher Tee. Das ist heute mein Selfcare.
Und vielleicht gehört auch genau das zu Tiefenmut: Zu wissen, wann ich hinschauen möchte. Und zu wissen, wann es für heute genug ist. ❤️
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