Ich liebe mein Leben
Ich bin 60 Jahre alt, sitze in meinem Ohrensessel, höre gute Musik und tanze zwischendurch durch meine Wohnung. Und plötzlich laufen mir Tränen über die Wangen. Tränen vor Glück. Nach all den Jahren, in denen Angst, Verletzungen und die Suche nach Liebe mein Leben geprägt haben, empfinde ich heute etwas unglaublich Wertvolles: tiefe Dankbarkeit, Selbstbestimmung und das Gefühl, endlich bei mir angekommen zu sein. ❤️
Es ist Freitagabend.
Ich wollte herausfinden, wer ich eigentlich bin. Nicht wer ich für andere sein sollte. Sondern wer ich selbst bin.
Ich bin heute 60 Jahre alt, sitze in meinem Ohrensessel, höre richtig gute Musik, trinke ein Glas Wein und tanze zwischendurch einfach durch meine Wohnung.
Ohne Schminke. Ohne mich besonders zurechtgemacht zu haben. Ohne irgendetwas darstellen oder irgendjemandem gefallen zu wollen.
Ich bin einfach ich.
Und während ich hier sitze, merke ich, wie mir die Tränen über die Wangen laufen.
Tränen vor Glück.
Weil ich gerade so unfassbar dankbar bin.
Für diesen Abend. Für mein Zuhause. Für meine Freiheit. Für dieses Leben, das ich mir selbst aufgebaut habe.
Und für dieses wundervolle Gefühl, einfach bei mir zu sein.
Ich finde das Leben gerade zauberhaft.
Ein scheinbar gewöhnlicher Freitagabend
Vielleicht klingt das für andere Menschen ganz selbstverständlich. Ein Freitagabend zu Hause, ein bisschen Musik, ein Glas Wein, ein paar Tanzschritte durchs Wohnzimmer.
Aber für mich ist das alles andere als selbstverständlich.
Für viele Jahre meines Lebens war es das überhaupt nicht.
Und vielleicht berührt es mich deshalb heute so sehr.
Ein Reichtum, den man nicht kaufen kann
Ich habe einen tollen Beruf, den ich gerne ausübe. Ich habe eine wunderschöne Wohnung, einen Hund, den ich über alles liebe, und ich wohne an einem Ort, den ich mir ganz bewusst ausgesucht habe.
Ein Ort, der sich nach Zuhause anfühlt.
Ich habe mir dieses Leben Stück für Stück aufgebaut.
Ich bin nicht besonders reich, jedenfalls nicht im materiellen Sinne. Auch ich muss rechnen, Entscheidungen treffen und manchmal auf Dinge verzichten.
Aber manchmal fühle ich mich unendlich reich.
Weil ich etwas gefunden habe, das ich lange nicht kannte.
Eine tiefe Zufriedenheit mit mir selbst und meinem Leben.
Ich darf heute selbst entscheiden, wie ich leben möchte. Was mir guttut. Mit wem ich meine Zeit verbringe. Wem ich nahe sein möchte und wann ich einfach einen Abend allein genieße.
Ich darf meinen eigenen Weg gehen.
Und vor allem darf ich dabei ich selbst sein.
Das klingt so einfach.
Für mich war es ein langer Weg.
Die Suche nach dem, was mir fehlte
Als kleines Mädchen habe ich vieles vermisst.
Schutz. Geborgenheit. Liebe. Zärtlichkeit. Verlässlichkeit. Das Gefühl, gesehen und wahrgenommen zu werden.
Ich war abhängig von Menschen, die mich hätten schützen müssen. Die mich hätten begleiten, führen und auffangen müssen.
Menschen, bei denen ich mich sicher hätte fühlen sollen.
Doch diese Sicherheit gab es nicht.
Stattdessen gab es Angst, Gewalt, Verletzungen und Erfahrungen, die niemals Teil einer Kindheit hätten sein dürfen.
Ich habe früh gelernt, mich anzupassen, aufmerksam zu sein und irgendwie durchzukommen.
Aber ich habe nicht gelernt, dass ich einfach sein durfte.
Dass ich wertvoll war, ohne etwas leisten zu müssen.
Dass ich liebenswert war, ohne darum kämpfen zu müssen.
Und so begann eine Suche, die mich über viele Jahre meines Lebens begleiten sollte.
Ich suchte im Außen, was mir im Inneren fehlte.
Ich suchte Menschen, die mich lieben würden. Menschen, die mir Sicherheit geben könnten. Menschen, die mir das Gefühl vermitteln würden, endlich angekommen zu sein.
Ich suchte auf Partys, in Beziehungen, in Begegnungen mit Männern.
Ich suchte Nähe, Bestätigung, Zugehörigkeit und Geborgenheit.
Und manchmal suchte ich so verzweifelt, dass ich mich selbst dabei immer wieder verlor.
Ich wollte geliebt werden.
Und ich wollte diese Liebe auf keinen Fall wieder verlieren.
Wenn die Angst das Leben bestimmt
Viele Jahre hatten meine frühen Erfahrungen eine enorme Macht über mein Leben.
Die Menschen meiner Kindheit hatten Macht über mich ausgeübt. Später waren es oft meine eigenen Ängste und die alten Muster, die mein Verhalten bestimmten.
Verlustangst. Beziehungsangst. Das Bedürfnis nach Kontrolle. Die Angst, nicht genug zu sein.
Wie oft habe ich versucht, Liebe zu sichern?
Durch Anpassung. Durch Festhalten. Durch den Versuch, Erwartungen zu erfüllen oder einer möglichen Zurückweisung zuvorzukommen.
Wie oft habe ich meine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt, weil ich Angst hatte, einen Menschen zu verlieren?
Und wie oft bin ich innerlich auf Abstand gegangen, obwohl ich mir eigentlich nichts sehnlicher gewünscht habe als Nähe?
Ich wollte Sicherheit.
Aber ich suchte sie immer wieder dort, wo ich sie nicht dauerhaft finden konnte: ausschließlich bei anderen Menschen.
Das Trauma hat viel zerstört
Es hat Beziehungen beeinflusst, meine Wahrnehmung geprägt und mir viele Jahre genommen, in denen ich mich selbst kaum erkennen konnte.
Ich möchte nichts davon kleinreden.
Denn es waren schlimme Dinge, die passiert sind. Dinge, die niemals hätten geschehen dürfen.
Und ihre Folgen waren real.
Aber irgendwann begann ich zu verstehen, dass ich mein Leben nicht für immer von diesen Erfahrungen bestimmen lassen wollte.
Ich wollte herausfinden, wer ich eigentlich bin.
Nicht wer ich für andere sein sollte.
Sondern wer ich selbst bin.
Jeder Schritt brachte mich näher zu mir
Dieser Weg war nicht einfach.
Ich bin oft gestolpert. Habe gezweifelt, gehadert, geweint und bin immer wieder in alte Muster zurückgefallen.
Manchmal war ich mutig.
Manchmal hatte ich große Angst.
Und manchmal war Mut einfach nur, am nächsten Morgen wieder aufzustehen und weiterzugehen.
Aber ich bin gegangen.
Schritt für Schritt.
Ich habe begonnen, meine Geschichte zu verstehen. Meine Gefühle wahrzunehmen. Meine Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Ich habe gelernt, Grenzen zu setzen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen.
Und irgendwann habe ich begonnen, mir selbst etwas zu geben, das ich so lange ausschließlich von anderen erwartet hatte.
Zuwendung.
Verständnis.
Geduld.
Verlässlichkeit.
Und Liebe.
Mich selbst ernst nehmen
Ich habe angefangen, mich selbst ernst zu nehmen.
Nicht nur die Frau, die nach außen funktioniert. Die arbeitet, Verantwortung trägt und ihr Leben organisiert.
Sondern auch die Frau mit ihrer Geschichte, ihren Verletzungen, ihren Ängsten und ihren Sehnsüchten.
Ich musste nicht erst ein anderer Mensch werden, um mich mögen zu dürfen.
Ich durfte anfangen, mich so anzunehmen, wie ich bin.
Mit allem, was zu mir gehört.
Allein sein, ohne einsam zu sein
Vier Jahre habe ich ohne Partner gelebt.
Und diese Jahre waren für mich unglaublich wertvoll.
Ich habe gelernt, wie schön es sein kann, allein zu sein.
Nicht aus Rückzug. Nicht aus Enttäuschung. Und nicht, weil ich keine Liebe mehr wollte.
Sondern weil ich begonnen hatte, mein eigenes Leben zu genießen.
Ich erinnere mich an so viele Momente, in denen ich einfach nur glücklich war.
Ich konnte morgens aufstehen und mich auf meinen Tag freuen.
Ich konnte malen, lesen, Musik hören, tanzen, mit meinem Hund spazieren gehen oder einfach auf meinem Sofa sitzen.
Und manchmal dachte ich:
Mein Gott, wie gut geht es mir eigentlich?
Wie schön kann das Leben sein?
Nähe vermissen, ohne unvollständig zu sein
Natürlich gab es auch Momente, in denen ich die Liebe eines Mannes vermisst habe.
Ich habe Nähe vermisst, Zärtlichkeit, das gemeinsame Einschlafen und Aufwachen. Einen Menschen, mit dem ich meine Gedanken und Erlebnisse teilen kann.
Aber ich habe dabei etwas Entscheidendes verstanden.
Ich durfte Liebe vermissen, ohne mich selbst dabei als unvollständig zu empfinden.
Mein Leben war auch ohne Partner schön.
Es war mein Leben.
Und es fühlte sich richtig an.
Lieben, ohne mich selbst zu verlieren
Heute liebe ich wieder einen Menschen.
Und ich empfinde es als etwas Wunderschönes, lieben zu dürfen und geliebt zu werden.
Ich genieße diese Nähe, die Zärtlichkeit, das gemeinsame Erleben und das Gefühl von Verbundenheit.
Aber ich merke auch, dass sich etwas in mir verändert hat.
Ich muss diese Liebe nicht mehr um jeden Preis sichern.
Ich darf sie genießen.
Ich darf mich freuen, vermissen, sehnen und lieben.
Und ich darf gleichzeitig bei mir bleiben.
Alte Muster und neues Vertrauen
Natürlich sind meine alten Muster nicht einfach verschwunden.
Manchmal meldet sich noch die Verlustangst. Manchmal reagiert etwas in mir auf Situationen, die mich früher sehr verunsichert hätten.
Dann spüre ich, wie mein altes Schutzsystem anspringt.
Aber heute kann ich es oft erkennen.
Ich kann verstehen, dass ein Gefühl aus meiner Vergangenheit kommen kann, ohne dass es die Wirklichkeit meiner Gegenwart beschreibt.
Und ich muss nicht mehr jeder Angst folgen.
Ich muss nicht jede Unsicherheit sofort auflösen.
Ich muss nicht jede Liebe kontrollieren, damit sie bestehen bleibt.
Ich darf vertrauen.
Und ich darf auch einmal einen Abend ganz allein mit mir verbringen, obwohl ich einen Menschen liebe.
Nicht, weil mir etwas fehlt.
Sondern weil ich diese Zeit mit mir selbst unglaublich gerne mag.
Ich liebe einen anderen Menschen. Aber ich liebe auch mich und mein eigenes Leben.
Und das eine nimmt dem anderen nichts.
Ein ganz gewöhnlicher Freitagabend (nochmal)
Und damit bin ich wieder hier.
In meinem Ohrensessel.
An diesem Freitagabend.
Die Musik läuft, mein Glas Wein steht neben mir, und zwischendurch stehe ich auf und tanze durch meine Wohnung.
Einfach, weil ich Lust darauf habe.
Ich brauche dafür keine besondere Kleidung, keine Schminke und keinen Menschen, der mich bewundert.
Ich muss niemandem etwas beweisen.
Ich fühle mich wohl.
Mit mir.
In meinem Körper.
In meinem Zuhause.
In meinem Leben.
Und plötzlich laufen mir wieder die Tränen über die Wangen.
Weil mich dieses Gefühl so sehr berührt.
Diese tiefe Dankbarkeit.
Rückblick und Dankbarkeit
Ich bin heute 60 Jahre alt.
Und wenn ich daran denke, wie mein Leben begonnen hat, wie viel Schmerz ich erlebt habe, wie oft ich mich verloren fühlte und wie lange ich nach einem sicheren Ort gesucht habe, dann ist dieser Moment für mich alles andere als gewöhnlich.
Ich habe mir ein Leben aufgebaut, in dem ich mich zu Hause fühle.
Ich habe Menschen, die ich liebe, und Menschen, von denen ich geliebt werde.
Ich habe einen Beruf, der mich erfüllt. Einen Hund, der mich begleitet. Ein Zuhause, das ich mir selbst ausgesucht habe.
Aber mein größtes Glück ist nicht das, was ich besitze.
Es ist auch nicht die Liebe eines anderen Menschen.
Es ist dieses Gefühl tief in mir.
Ich bin gerne ich.
Ich bin gerne mit mir zusammen.
Ich darf mein Leben selbst gestalten.
Und ich darf es genießen.
Was für ein Geschenk
Meine Vergangenheit ist nicht verschwunden.
Die Erinnerungen sind noch da. Auch die Verletzungen und manche Ängste.
Es gibt Tage, an denen sie sich bemerkbar machen. Tage, an denen alte Gefühle wieder auftauchen und ich mich mit Dingen auseinandersetzen muss, die weit zurückliegen.
Ich bin nicht frei von allem, was geschehen ist.
Aber ich bin heute so viel freier darin, wie ich mein Leben gestalte.
Und vielleicht ist genau das für mich der wichtigste Unterschied.
Ich muss nicht mehr darauf warten, dass jemand kommt und mir endlich erlaubt, glücklich zu sein.
Ich darf es einfach.
Ich darf lachen, tanzen, lieben, weinen und genießen.
Ich darf schöne Momente erleben, ohne sie mir erst verdienen zu müssen.
Und ich darf dankbar sein, ohne meine Vergangenheit dadurch zu verharmlosen.
Das Schwere war schwer.
Es hat Spuren hinterlassen.
Aber es ist nicht alles, was mein Leben ausmacht.
Heute gibt es auch diese Tränen.
Tränen, die nicht aus Angst oder Schmerz entstehen.
Sondern aus purem Glück.
Abschließende Gedanken
Und während ich hier sitze und meine Musik höre, denke ich an das kleine Mädchen, das sich so sehr nach Liebe, Schutz und einem sicheren Zuhause gesehnt hat.
Wie gerne hätte ich ihm damals gesagt, dass es eines Tages einen Ort geben wird, an dem es sich wirklich zu Hause fühlen darf.
Dass es eines Tages frei entscheiden kann.
Dass es lieben und geliebt werden darf.
Und dass es irgendwann mit 60 Jahren in seinem Ohrensessel sitzen, ein Glas Wein trinken und das Leben einfach zauberhaft finden wird.
Nicht, weil alles vergessen ist.
Nicht, weil nichts mehr wehtut.
Sondern weil es trotz allem ein eigenes, schönes Leben gefunden hat.
Ich habe so lange im Außen nach einem Zuhause gesucht.
Heute habe ich nicht nur einen Ort gefunden, an dem ich mich zu Hause fühle.
Ich bin auch bei mir selbst angekommen.
Und das ist für mich das größte Geschenk meines Lebens.
Ich sitze hier, höre meine Musik, lächle unter Tränen und denke:
Ich liebe mein Leben.
Von ganzem Herzen.
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